Führen in Teilzeit

# 27 Optimal vorbereitet für den Wiedereinstieg als Teilzeit-Führungskraft

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In diesem Artikel geht es darum, wie du deinen Wiedereinstieg nach der Elternzeit als Teilzeit-Führungskraft optimal vorbereitest. Du erfährst…

… wie du Erwartungs- und Planungssicherheit für alle Beteiligten schaffst,
… den Kontakt mit dem Arbeitgeber hältst,
… und wie du so gute Voraussetzungen für deine individuelle Vereinbarkeit von Familie und Karriere

Das Wichtigste in Kürze:

  • Schon vor der Elternzeit gilt es für alle Beteiligten Erwartungs- und Planungssicherheit zu schaffen. So machst du dir und deinem Arbeitgeber das Leben leichter.
  • Während der Elternzeit solltest du den Kontakt halten und auch dranbleiben im Hinblick auf das, was du inhaltlich in Zukunft machen möchtest.
  • Nach der Elternzeit geht es darum, ein gutes Modell für deine Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu leben.

Die Geburt eines Kindes – ein life-changing Event

Dem Wiedereinstieg als Teilzeit-Führungskraft geht ja oft ein lebensveränderndes Ereignis voran, zum Beispiel  die Geburt eines Kindes.

Und ich möchte heute darüber sprechen, wie du mit Hilfe des Dreiphasenmodells diese Vereinbarkeit für dich sichern kannst – ohne dass du dich darauf verlassen musst, dass dein Arbeitgeber genau weiß, was zu tun ist.

Mit dem Drei-Phasen-Modell Elternschaft und Beruf in Einklang bringen

Die drei Phasen orientieren sich an der Elternzeit, die sich normalerweise von der Geburt eines Kindes bis zum Wiedereinstieg in den Beruf erstreckt.

Solltest du direkt nach dem Mutterschutz wieder arbeiten gehen, auch das ist natürlich möglich, gilt der Plan für dich allerdings genauso. Statt während der Elternzeit, musst du dann dir immer während des Mutterschutzes denken.

Die drei Phasen im Überblick

  • Phase 1: Vor der Elternzeit, also in der ersten Phase zwischen dem Moment, wo du weißt, dass du Mutter oder Vater wirst, und der Geburt des Kindes, hier liegt die erste Phase.
  • Phase 2: Während der Elternzeit. Die zweite Phase ist dann während der Elternzeit, also die Zeit, in der du nicht im Unternehmen anwesend bist.
  • Phase 3: Nach der Elternzeit. Und die dritte Phase schließt sich dann an den Wiedereinstieg an, also nach der Elternzeit. 

Was muss in diesen drei Phasen passieren oder was kannst du tun, um deine individuelle Vereinbarkeit in Zukunft abzusichern?

Phase 1: Die Zeit vor der Elternzeit

Vor der Elternzeit, also in der ersten Phase, geht es vor allem darum, Erwartungs- und Planungssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen. Das gilt sowohl für dich, deinen Partner als auch deinen Arbeitgeber.

Grundlegende Fragen mit dem Partner klären

Und der erste Schritt, der normalerweise im Privaten stattfindet, ist der, dass du dich mit deinem Partner oder deiner Partnerin darüber austauschen musst:

  • Wie wollen wir es denn machen, wie soll denn unser Modell aussehen?
  • Was verstehen wir unter individueller Vereinbarkeit?

Alle, die schon Mütter oder Väter sind, wissen: du weißt nicht, wie das Kind funktionieren wird, du weißt nicht, ob, wann und wie du einen Betreuungsplatz bekommen wirst.

Ein erstes Gespräch mit dem Arbeitgeber steht an

Nachdem du im Privaten darüber klar bist, was du möchtest, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, mit deinem Vorgesetzten zu sprechen. Hier geht es darum, dass er ein Gefühl dafür bekommt, in welche Richtung es bei dir geht.

Erwartungs- und Planungssicherheit für dich und deinen Arbeitgeber schaffen

  • Wie verhält sich dein Arbeitgeber, dein Vorgesetzter, deine Vorgesetzte zu deiner Schwangerschaft?
  • Was kannst du erwarten?
  • Was wird dir vielleicht auch in Aussicht gestellt?

Was bedeutet euer Modell konkret für deine Stelle im Unternehmen?

  • Was mache ich momentan, was sind denn eigentlich momentan alles meine Aufgaben oder Rollen, wenn du rollenbasiert arbeitest, die ich momentan als Führungskraft wahrnehme,
  • … und was davon kann ich denn weitermachen und was kann ich vielleicht nicht mehr machen und was kann vielleicht jemand anderes übernehmen?
  • Wie könnte denn die Aufteilung aussehen, sowohl während deiner Abwesenheit, als auch danach?

Mit Klarheit ins Gespräch gehen

  • Wie wollen wir Elternschaft leben? Wie soll das Ganze für uns aussehen?
  • Was bedeutet das für uns beruflich konkret?

Du solltest wissen, was dein Ziel ist, das du in diesem Gespräch erreichen willst. Welches Modell möchtest du anstreben?

Hol dir Inspiration bei anderen!

Und ein letzter Punkt für die Vorbereitung. Es macht auch total Sinn, sich vorab mal im Unternehmen umzuschauen:

  • Welche Teilzeit-Karrieremodelle gibt es denn schon?
  • Gibt es denn schon viele Führungskräfte, die in Teilzeit arbeiten?
  • Und wenn ja, in welchen Modellen arbeiten diese Kolleg:innen?

Ein konkretes Vertretungsmodell für deine Abwesenheit festlegen

Wenn es dann Richtung Ausstieg geht, also in den letzten Wochen deiner Arbeitszeit, dann geht es vor allem darum, den Übergang gut vorzubereiten. Bis dahin sollte klar sein, wie das Vertretungsmodell während deiner Elternzeit aussieht. Dieser Punkt sollte bereits im ersten Gespräch auf jeden Fall angesprochen werden und der im Laufe der Vorbereitung auf die Elternzeit detailliert geklärt werden:

  • Was ist eigentlich alles zu tun?
  • Wie kann es in der Vertretung aussehen?
  • Wer übernimmt was?

Erreichbarkeit während der Elternzeit klären

Und wenn du diese Übergabe organisiert hast, dann finde ich es auch noch wichtig, darüber zu sprechen, wie deine Erreichbarkeit während der Elternzeit aussieht? Möchtest du bei bestimmten Punkten gerne einbezogen werden? Oder möchtest du in dieser Phase deines Lebens erstmal nicht abgelenkt werden?

Wenn z.B. eine Stelle in deinem Team neu besetzt werden muss , darf dein Vorgesetzter dann auf dich zu kommen?  Möchtest du zu strategischen Entscheidungen währen deiner Elternzeit nach deiner Ansicht gefragt werden? 

Phase 2: Während der Elternzeit

Das Kind ist da, und dann geht’s über in Phase 2. Du bist jetzt in Mutterschutz oder Elternzeit, und in dieser Phase ist das aller wichtigste, in Kontakt zu bleiben.

Ich höre immer wieder, dass MitarbeiterInnen berichten, dass sie sich in der Elternzeit unsichtbar für das Unternehmen gefühlt haben. Sie werden nicht zu Firmenevents eingeladen und bekommen auch keine Nachricht zur Geburt des Kindes. Das erzeugt bei den Mitarbeitenden das Gefühl abgemeldet zu sein und nicht mehr wichtig für das Unternehmen zu sein. Und das Unternehmen signalisiert gleichzeitig innen, dass diese Mitarbeiter:innen nicht (mehr) wichtig für das Unternehmen sind.

In Kontakt bleiben

Und deshalb ist es ganz, ganz wichtig, im Kontakt zu bleiben. Vielleicht bietet dein Unternehmen einen strukturierten Weg an, über die du in Kontakt bleiben kannst. Das kann zum Beispiel ein Stay-in-Touch-Programm sein.

Wenn es so etwas noch nicht gibt, dann organisierst du dir das selbst. Überlege dir, mit wem du gerne in Kontakt bleiben möchtest. Welche Kolleg:innen triffst du auch so gerne auf einen Kaffee oder in der Mittagspause. Und genauso kannst du es auch mit deinem Chef oder deiner Chefin handhaben – wenn er oder sie nicht auf dich zukommst, meldest du dich einfach regelmäßig bei ihr.

Während der Elternzeit arbeiten

Du hast außerdem die Möglichkeit, in der Elternzeit zu arbeiten. Nach aktueller Gesetzeslage sind das theoretisch bis zu 32 Stunden. Es gibt beispielsweise die Möglichkeit, z.B. Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen zu übernehmen, wenn du phasenweise eine Betreuung deines Kindes durch andere Personen ermöglichen kannst.

So kannst du für dich herausfinden, wie es sich anfühlt wieder zu arbeiten und wertvolle Erfahrungen für dein zukünftiges Arbeitsmodell sammeln.

Mitarbeit bei strategischen Themen

Viel spannender als Urlaubsvertretung finde ich aber tatsächlich eine ganz andere Variante. Nämlich die Mitarbeit in strategischen Projekten.

Als Führungskraft hast du es ja oft mit strategischen Themen zu tun . Gleichzeitig fallen diese Themen im Tagesgeschäft ganz oft hinten runter. Warum also nicht in Ruhe und bei freier Zeiteinteilung an solchen Themen während der Elternzeit arbeiten, wenn beispielsweise Oma und Opa stundenweise auf das Kind aufpassen oder dein:e Partner:in übernimmt?

Du bleibst so sichtbar und an deinen Themen dran. Aber auch dein Unternehmen profitiert – von deiner Expertise und Erfahrung auch während deiner Elternzeit. Eigentlich für beide Seiten ein Win-Win, oder?

Das Rückkehrgespräch: die Basis für einen möglichst entspannten Wiedereinstieg

Wenn sich die Elternzeit dann dem Ende zuneigt, dann steht das Rückkehrgespräch an. Hier gilt dasselbe wie für dieses erste Gespräch in der Vorbereitung der Elternzeit.

Wenn dein Unternehmen nicht automatisch auf dich zukommt vor Ende der Elternzeit, dann gehst du auf das Unternehmen zu. Es macht Sinn, dieses Gespräch zu führen, wenn die Betreuungssituation relativ klar ist. Wobei alle die Kinder haben wissen, aber relativ hier bedeutet…

Im Gespräch sollten folgende Punkte geklärt werden:

  • Was sind die konkreten Aufgaben, die du übernehmen wirst? Dazu kannst du wieder auf die Aufgabenliste zurückgreifen, die wir schon im ersten Gespräch angesprochen haben.
  • Wann werden deine Arbeitszeiten liegen? An welchen Tagen, wie flexibel kannst du das handhaben? 
  • Welche Zeiten/Aufgaben kannst du von zu Hause aus erbringen, wann ist deine Anwesenheit im Unternehmen unbedingt erforderlich?
  • Wie geht ihr mit den Zeiten um, die du nicht abdecken kannst? Wer übernimmt dann die Vertreterrolle im Team?

Dieses Rückkehrgespräch ist die ganz wichtige Basis für die dritte Phase, also für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach der Elternzeit. Hier werden die Weichen gestellt von deinem Arbeitszeitmodell, über Vertretungsregelungen bis zum Workload.

Auch dieses Gespräch solltest du für dich gut vorbereiten und eventuell auch vorher mit den Menschen sprechen, mit denen du zukünftig zusammenarbeiten wirst. Gleichzeitig kannst du dir auch in dieser Phase nochmal Inspiration von anderen suchen – egal ob innerhalb oder außerhalb deines Unternehmens.

Nach deinem Rückkehrgespräch habt ihr ein Modell vereinbart. Dieses Modell, wirst du nach deiner Rückkehr mit Leben füllen – natürlich am besten gemeinsam mit deinem Team.

Phase 3: Nach der Elternzeit

Und jetzt geht’s in die Umsetzung. Und da muss ich sagen, der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail, oder hier in der Umsetzung.

Optimistisch durch die unperfekte Realität surfen

Das Leben mit Kindern ist nicht planbar. Kinder werden krank und Betreuungen fallen aus. Das alles erfordert von dir und deinem Arbeitgeber Flexibilität. Deshalb empfehle ich dir, mit diesem Gedanken reinzugehen und zu sagen: Ok, es wird nicht nach Plan laufen, aber es wird irgendwie laufen. 

Auch deinem Arbeitgeber gegenüber solltest du meiner Ansicht nach nicht zu viel Optimismus verbreiten – zu suggerieren, dass man ein wasserdichtes Betreuungskonzept hat hilft allen Beteiligten in der Praxis meist nicht weiter. Vernünftiger ist meiner Meinung nach, sich von Anfang an an der Realität zu orientieren und darüber zu sprechen, wie mit ungeplanten Ausfällen umgegangen werden kann. Wer kann Vertretungen übernehmen? Wo wird es eng und wie können solche Situationen vielleicht schon im vorhinein entschärft werden?

Das alles führt dazu, dass alle beteiligten mit realistischen Erwartungen starten – und wenn es dann besser läuft ist es doch auch super!

Ein verlässliches Betreuungsmodell mit Partner und Familie einrichten

Gleichzeitig ist es für dich entscheidend, eine gute Vereinbarung mit deiner oder deinem Partner:in zu haben. Wer bleibt wann zu Hause, wenn das Kind krank ist?

Sehr bewährt hat sich für mich ein Wechselmodell. Das funktioniert allerdings nur, wenn beide Partner sich die Care-Arbeit aufteilen. In diesem Modell arbeiten beide  Partner lange und kurze Tage im Wechsel – ist ei Kind ungeplant daheim, übernimmt jeweils der Partner mit dem kurzen Arbeitstag die Betreuung. So kannst du deine wichtigen Termine strategisch auf deine ganzen Arbeitstage planen. Diese Modell hat  Ines Imdahl auf LinkedIn sehr schön beschrieben – wenn auch mit zwei Vollzeitarbeitenden. Das Prinzip ist aber das Gleiche.

Finde ein Betreuungsmodell, das dich atmen lässt

Ein zweiter wichtiger Punkt sind Pufferzeiten. Wenn euer Betreuungsmodell so aussieht, dass du nur noch von der Arbeit in die Kita und zurück hetzt, hat auf Dauer keine:r was davon. Denn das bedeutet Dauerstress – für dich und dein Kind. Plane also von Anfang an Pufferzeiten in das Modell mit ein. Denn damit du die Doppelbelastung aus Kind und Karriere auf Dauer gut schaffst, solltest du dich auch gut um dich kümmern!

Das heißt: versuch dir, wenn es finanziell möglich ist, von Anfang an ein Modell zu schaffen, das auch Raum für dich lässt, das dir die Möglichkeit gibt, beispielsweise nach der Arbeit noch eine halbe Stunde spazieren zu gehen, ein Buch zu lesen oder mal einfach nur nichts zu tun. Denn du wirst diese Zeiten wertschätzen.

Johanna Fink
Johanna Fink

Meine Mission ist es, Führung in Teilzeit zum Erfolgsmodell für alle Beteiligten zu machen. Geschichten aus dem echten Leben, praktisches Wissen und meine eigenen Erfahrungen teile ich in diesem Blog und meinem Podcast 'Führen in Teilzeit'.

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